Weg der Wünsche
“Ich verbringe viel Zeit mit wünschen”, las ich neulich in einem Buch.
Wie weise, dachte ich mir. Wenn wir zumindest so viel Zeit mit wünschen verbringen würden, wie damit, uns zu sorgen und zu grübeln… Dann wuchsen meiner Phantasie Flügel: Und wie wäre es, wenn das Wünschen allgemein so akzeptiert und praktiziert würde wie das Zähne putzen nach dem Aufwachen? Wenn es im Leben eines jeden Menschen richtige “Wunschzeiten” am Tag gäbe, wo man nichts anderes täte, als sich in aller Ruhe seiner Wünsche bewusst zu werden.
So manches Märchen fängt mit dem Satz an: “Es war einmal vor langer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat.” Diese Einleitung, diese Schwelle zu einer Welt, in der zuletzt das Gute siegt und fast immer alles ein glückliches Ende findet, suggeriert, dass auf das Wünschen heute nicht mehr Verlass ist. Warum? Haben wir vielleicht verlernt wie man richtig wünscht? Aber wünschen ist doch etwas, was wir tagtäglich tun und was jeder kann. Und doch habe ich das Gefühl, manche Menschen können besser wünschen als andere - schließlich scheinen sie das erreicht zu haben, wovon sie immer träumten.
Es gibt inzwischen ganze Bücher, die sich dem Wünschen widmen, zum Beispiel Bärbel Mohrs Bestellung beim Universum, sowie zahlreiche wundervolle Textpassagen in der Literatur. Meine Lieblingsstelle in Michael Endes Unendlicher Geschichte handelt davon.
Als der Löwe Graógramán sich mit Bastian über die Inschrift “Tu was du willst” unterhält und Bastian sagt, das wäre doch wirklich einfach, denn es würde ja bedeuten, dass er einfach tun kann, wozu er Lust habe, erklärt ihm der Löwe mit ernstem Gesicht: “Nein, es heißt, dass du deinen Wahren Willen tun sollst.”
Als Bastian fragt, was das sei, antwortet er:
“Es ist dein eigenes tiefstes Geheimnis, das du nicht kennst.”
Um dieses Geheimnis zu entdecken, rät ihm der Löwe schlicht, den Weg der Wünsche zu gehen, von einem zum andern und bis zum letzten.
“Das kommt mir eigentlich nicht so schwer vor”, meinte Bastian.
“Das ist von allen Wegen der gefährlichste”, sagte der Löwe. “Er erfordert höchste Wahrhaftigkeit und Aufmerksamkeit, denn auf keinem anderen Weg ist es so leicht, sich endgültig zu verirren.”
Das Wünschen wieder zu lernen, das ist vielleicht eine echte Aufgabe. Denn das richtige Wünschen hat viel mit dem Wissen zu tun, wer wir sind und was wir wirklich wollen - ganz genau zu entscheiden, was es ist, was ich mir wünsche, ist etwas, was viele vielleicht über lange Jahre nicht ein einziges Mal machen - und neben der Klarheit über unsere Träume erfordert das Wünschen Ehrlichkeit und den Mut, Möglichkeiten und Chancen auch wahrzunehmen, die uns zur Erfüllung unserer Wünsche führen.
Was braucht es also zum Wünschen?
:: Zuerst muss uns selbst unser Wunsch ganz deutlich vor Augen stehen. Ein Wunsch ist wie ein klares Ziel und nicht zu verwechseln mit einer groben Richtung, in die wir gehen.
Außerdem muss er positiv formuliert sein. So positiv, dass es uns dabei ein Lächeln ins Gesicht drückt. Meist denkt man daran, was man nicht haben möchte, wovor man sich fürchtet und Angst hat. Wichtig ist, das Denken umzukehren und sich auf die positive Formulierung von Gedanken umzutrainieren - denn die Energie folgt der Aufmerksamkeit.
:: Am wichtigsten ist, dass wir das Glück, was in diesem Wunsch steckt, schon beim Wünschen fühlen. Unsere Wünsche gewinnen an Intensität und Kraft, wenn wir sie nicht nur hersagen oder denken, sondern fühlen. “Das Denken ist nur ein Traum des Fühlens”, wusste schon Novalis. Um wie viel mehr Kraft haben unsere Gedanken und Worte, wenn unsere ganze Leidenschaft für diesen Wunsch darin steckt!
:: Wenn wir also gewünscht haben, bleibt es, sich die Erfüllung des Wunsches wieder und wieder vorzustellen. Schön ist es, wenn man auf dem Bett liegt, die Augen schließt und versucht, sich jedes Detail des Wunsches vorzustellen und zu fühlen. Wie ein Läufer, der nicht nur die Strecke wiederholt in Gedanken durchgeht, sondern sich motiviert, indem er sich die Siegerehrung ausmalt und sich damit auf Erfolg programmiert.
Es gibt eine einfache Gleichung: Visualisieren = Materialisieren. Denn in einer Visualisierung geben wir jeder Faser unseres Körpers den Befehl, die Schritte auf die Erfüllung unseres Wunsches zu lenken.
Zuletzt: Dinge brauchen ihre Zeit. Nicht zweifeln und grübeln, sondern felsenfest daran glauben! Ich habe schon oft gemerkt, dass die Zweifel über meinen Weg nach einer Visualisierung meiner Wünsche wie weggefegt waren (für eine Zeit zumindest;-).
Alle Menschen, die sich sehnliche Wünsche erfüllt haben und die von sich sagen, sie würden das leben, wovon sie immer träumten haben unerschütterlich an ihre Bestimmung geglaubt. Und jede Figur im Märchen, deren Wünsche in Erfüllung gehen, behielt die Hoffnung, egal wie dunkel manche Stunden aussahen.
Und woher weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin? Ganz einfach: Die Natur hat ein wunderbares Navigationssystem für uns eingebaut, das uns immer sagt, ob es der Weg der Wahren Wünsche ist, auf dem wir gehen:
Wir wissen es, wenn es uns gut geht, wenn wir glücklich sind.
Glaubt an eure Wünsche - Es gibt ein wunderschönes Zitat von Martin Luther King: “Take the first step in faith - You dont have to see the whole staircase, just take the first step.”
