Schritte auf Licht

Gespeichert unter: Sterntaler — iris at 10:09 on Freitag, Juli 21, 2006

Jetzt muss ich mich nicht mehr so viel suchen gehen
zwischen den Orten, Tagen, Stunden. Jetzt bin ich hier.
Jetzt finde ich mich suchend in meiner Mitte, wo es
Sturm und Stille gibt und Wolfsspuren und Vogelfedern.

Ich liebe Dich für Die Fährten, die ich aufnehmen kann
an Deiner Seite. Ich liebe Dich für die Wege, die sich
zwischen die Wünsche legen, für die Schritte auf Licht.

In Deinen Augen, ihr waldhonigbraun hindurchscheinend
liegt Deine Seele. Ich könnte Dir eine Himmelsewigkeit
hineinsehen, hinblicken zu dem Ort, wo es Schönheit
und Weite gibt und Schwertklänge und Adlerflügel.

Zyklen

Gespeichert unter: Sterntaler — iris at 9:55 on Freitag, Juli 21, 2006

Es gibt eine geheimnisvolle Uhr in unsrem Innern. Wie die Sonne den Pflanzen sagt, dass es Frühling wird und sie sich langsam in der Erde regen, ihre dunkle Kammer verlassen, in Zeitlupe zum Licht wachsen; wie der Mond den Ozean in Ebbe und Flut bewegt, so scheint jene unsre Gefühle und Gedanken zu bewegen. Es scheint, als haben wir immer wieder die gleichen Gedanken, die gleichen Probleme, stehen vor denselben Fragen, scheitern an derselben Stelle. Könnte es nicht sein, dass es darin ein Muster gibt? Wenn wir uns vorstellen, dass wir eine Überdimensionale Landkarte erstellen könnten, eine seismographische Aufzeichnung unsrer Gefühle und Gedanken während unsres ganzen Lebens, wäre es dann nicht denkbar, dass sich vor unsren Augen ganz klare Linien und Muster ergeben könnten?

Ich denke ja. Unsre Gedanken vergehen nicht spurlos. Sie verändern wer wir sind, sie verändern wer wir sein werden. Wenn wir uns öfter klar machen würden, dass all unsere Gedanken für immer wie in einem Gefäß aufgehoben sind, dass sie uns nach ihren eigenen Gesetzen an Vergangenes erinnern, würden wir uns ihrer Kraft nicht bewusster sein?

Die Erinnerung ist ein rhythmisches Gefäß. Wenn ein Gedanke, verbunden mit tiefen Gefühlen in unser Leben tritt, wird er nie wieder aus uns heraustreten. Es fließt in dieses Gefäß aus Erinnerung und taucht nach einem geheimnisvollen Muster wieder auf. Dieses Muster heißt Zeit. Wir tragen ein Gefäß an Erinnerungen in uns und sind uns oft nicht bewusst, warum genau an jenem und nicht an einem anderen Tag genau die eine und nicht die andere Erinnerung auftaucht, gleichsam an die Oberfläche des Gefäßes gespült wird und unsre Gedanken beschäftigt. Wie der Tag die Nacht ablöst oder die Jahreszeiten einander, so erinnern wir uns unseres vergangenen Lebens in Rhythmen. Wir leben und denken in Zyklen. Wir feiern unsre Geburtstage und Weihnachten, wir gedenken den wichtigen Tagen, wie dem Tag, an dem wir einen geliebten Menschen kennen gelernt, oder dem Tag, an dem wir einen geliebten Menschen verloren haben und geben dem Gedanken keinen Raum, dass auch unsere Erinnerungen Zyklen haben. Alles kehrt wieder, oft in veränderter Gestalt, nichts tritt aus Zufall in unsre Tagesgedanken ein. Wir besitzen ein feines Adersystem aus Uhren und Gefäßen im Innern, die alle zu ihrer Zeit und nach ihren Gesetzen Bilder ausspucken. Da werden Gesichter und Orte an Land gespült und wieder fort genommen um ein andres Mal wieder aufzutauchen, so lange, bis es Sand und Wasser und Welle zugleich ist. Solange bist es sich zerrieben hat und formlos und klein wird. Die Fragen, die wir uns stellen, unsere Gefühle und Gedanken wiederholen sich so lange, bis sie auf keinen Widerstand mehr stoßen. Bis wir sie als das anerkennen was sie sind, Wegweiser auf ungelöste Aufgaben. Bis wir sie umarmen und als Teil unsrer Suche ansehen. Denn: Was abgelehnt wird bleibt.

Was angenommen wird hingegen, was umarmt wird, sei es auch noch so ein ängstliches Gefühl, sei es auch noch so ein hemmender Gedanke, verliert seinen Schrecken. Wenn wir vertrauen darauf haben, dass Dinge nur so lange wiederkehren, solange wir sie nicht verwirklichen, in unser Handeln integriert haben, können sie uns auf unserer Suche helfen. Die Protagonisten der Märchen haben stets ein übergeordnetes Lebensthema, dass sie auf ihrer Suche zu erfüllen bestrebt sind. Das kann ein Aspekt ihrer Persönlichkeit sein, den sie noch nicht in ihr Leben integriert haben, eine Berufung, die es zu finden gilt oder die Suche nach dem Geliebten oder der Geliebten. (Es gibt so viele Lebensthemen, wie es Menschen gibt.) Sie scheitern so lange an ihrer Aufgabe, bis sie gelernt haben, sich den eigenen Fähigkeiten und dem eigenen Wissen anzuvertrauen. Bis sie erkennen, dass die Zeit von selbst gewisse Dinge anmahnt und eine unterschiedliche Qualität für das Gelingen birgt. Es bedarf oftmals mehreren Versuchen, bis das Vorhaben gelingt.

Wiederkehrende Gefühle und Gedanken sind kein Ausdruck dessen, dass wir auf der Stelle treten. Sie sind ein Zeichen dafür, dass wir eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen haben, dass wir die richtigen Worte und die richtigen Taten für sie noch suchen. In jenem Augenblick, da wir sie lieben lernen, als Ausdruck unseres Weges, werden wir ihr stetes Wiederkommen begrüßen. Dann werden sie zu Vergewisserungen, dann können wir an ihnen messen, ob wir uns immer noch auf unsere Ziele zu bewegen, zurückblicken und erkennen wie viele Schritte wir schon auf jene Ziele zugegangen sind.